Die Firma Kinax in Dillenburg.


"Die Trickabteilung"
Auf dem Bild: Herbert Peter, Heinz Geist, Erich Hartmann im Jahre 1950

Umkehr und Kopieranstalt - Tonstudio -- so stand es mit erhabenen Lettern am flach gestreckten Gebäude der Firma KINAX im Zwingel 2 in Dillenburg. Kaum ein Dillenburger wusste etwas mit dieser Bezeichnung anzufangen. Der Firmengründer ein gelernter Bäcker, war ein sehr begabter Bastler. Sein Hobby, die Filmtechnik, beschäftigte ihn schon vor dem 2.Weltkrieg. Hier waren es speziell die fotografischen Entwicklungsverfahren an deren Ende ein projektionsfertiger 16mm oder 8 mm Schmalfilm stand. In Fachkreisen als Umkehr- oder Reversal -Film genannt. Nach dem Ende des 2.Welkrieges, unterstützt von Dr. Blitz einem aus den Deutschen Kolonien zurück gekehrten chemisch bewanderten Zeitgenossen, wurden in Eigenkonstruktion Durchlauf-Filmentwicklungsmaschinen hergestellt. Man erwarb von Einschlägigen Filmherstellern (Agfa , Gevart, ) die Vertragentwicklung von S/W Diafilm sowie 16 und 8mm S/W-Amateurfilmen. Mitte der 50iger Jahre ergab sich für die Fa. KINAX ein sehr interessantes Betätigungsfeld: Die Filmentwicklung von Filmaufzeichnungen, auch FAZ genannt, für die damaligen noch in den Kinderschuhen steckenden "Fernsehveranstalter", NWDR in Hamburg und HR in Frankfurt. Das sich entwickelnde Deutsche Fernsehen hatte bis dato noch keine Möglichkeit, die normalerweise flüchtigen Live-Fernsehbilder auf einem Magnetband zu speichern. Diese war erst seit 1954 in den USA mit der so genannten AMPEX- Aufzeichnung möglich. In Deutschland war dieses Verfahren erst Anfang der 60iger Jahre verfügbar. Der Ausweg war, um die Flüchtigkeit der Bilder zu unterbinden, von einem Fernseh-Monitor der mit einer Bildfrequenz von 25 Bilder/s synchronisiert wurde, und einer davor platzierten 16- oder 35mm Filmkamera den Bildschirm, abzufilmen. Nun war es möglich Fernsehspiele, Aufführungen des Ohnesorgtheaters oder "Die Familie Hesselbach", Frankenfelds- oder Kulenkampfs- Samstagabend Show für die Nachwelt zu erhalten. Das Endspiel der Deutschen Fußballnationalmannschaft 1954 in Bern, in der Schweiz, wurde zwar "live" Übertragen, doch war man technisch noch nicht in der Lage das Spiel in seiner vollen Länge auf Film, als so genannte Filmaufzeichnung, zu konservieren. In den Deutschen Archiven findet man heute nur Wochenschauaufnahmen, welche von dem damaligen Rundfunkkommentator Herbert Zimmermann, soviel ich weis, noch einmal sehr emotional kommentierend, nachgesprochen wurden. Auch das Endspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft 1959 im Berliner Olympiastadion zwischen Eintracht Frankfurt und Kickers Offenbach wurde in gleicher weise konserviert. Diese Dienstleistung, die Filmentwicklung dieser Filmaufzeichnungen, war für die KINAX KG für mehrere Jahre ein großer Umsatzbringer. 1958 habe ich dort eine Lehre als Film- und Videolaborant begonnen. Habe im Herbst 1962 zum Besuch einer Fachschule für Filmtechnik die Firma Kinax verlassen. Dies ist auch der Hintergrund meiner etwas ausführlicheren Schilderung. Ein anderer Geschäftsbereich war die Erstellung von Imagefilme, wie man heute sagen würde. Diese beinhaltet Aufnahme, Filmentwicklung, Filmkopierung, Filmschnitt, Tonbearbeitung, Fertigung von kombinierten Film/Tonkopien für die spätere Produktpräsentation. Es gehörten, zu damaliger Zeit sehr bekannte Firmen und Dienstleiste zum Kundenkreis, u. a. Fa. VDO, der Bergbaumaschinenhersteller Fa. Westfalia aus Lünen, die Bundswehr mit ihren Schießübungsfilmen, das Institut für den wissenschaftlichen Film (IWF), die Uni. Gießen. Ich erinnere mich noch an 35mm Röntgenfilm welche die Darstellung der Verengungen der Herzkranzgefäße zeigten und deren Durchstoßen mit einer Sonde. Oder Gewebeschnitte durch die Lunge die eine Silikose Erkrankung deutlich machte. Eindrucksvoll auch die Werbefilmbearbeitung für den Wankelmotor, damals eine erfinderisch Sensation der Firma NSU. Was ist vor der Fa. Kinax übrig geblieben? - Die Bedeutung des Films als Amateur/Image/Fernsehberichterstattungs- Medium hat in den 80iger Jahren rasant an Bedeutung verloren. Die schnelle Verfügbarkeit, Nachbearbeitung und komfortableren Präsentation, sind nur einige Beispiele für die unaufhaltsame Durchdringung dies Mediums Video in allen Bereichen. So kam es zur Schließung der Firma, und der Verkauf der Immobilie. Heute steht ein Gebäude mit Eigentumswohnungen auf diesem Standort.

"Der Kopierraum für Schmalfilme"

Auf dem Bild: Erich Hartmann und Wilhelm Ax Sen. Im Jahre 1950.






Das Treffen der ehemaligen KINAX-Mitarbeiter.

Aus der Dill-Zeitung: .....an ihrer alten Wirkungsstätte in Dillenburg trafen über 50 ehemalige Kinax-Mitarbeiter aus ganz Deutschland zusammen. Viele von ihnen hatten sich über 25 Jahre und noch länger nicht mehr gesehen. Hanne Grabowski, Anne Killian, Dieter Holler und Lothar Killian hatten dieses interessante Treffen organisiert, um einmal zu erfahren was aus den einzelnen früheren Arbeitskollegen geworden Ist. Manche Namen kann man im Abspann verschiedener Filme und Direktübertragungen im Fernsehen lesen. Viele haben die gute Ausbildung bei Kinax als Sprungbrett genutzt und in der Film- und Fernsehbranche sowie in der freien Wirtschaft Karriere gemacht. Kinax war in der ganzen Welt bekannt, sei es durch die mobile Farbfilmentwicklung, die z. B. beim Treffen der Politiker Brand/Stoph in Kassel und bei der Ski WM in St. Moritz zum Einsatz kam, oder durch die Super-8 Filmentwicklung, die jahrelang für die Versandhäuser Quelle und Neckermann ausgeführt wurde. Weiterhin wurden Filme und Videos produziert. Von der Aufnahme bis zum vorführfertigen Produkt wurden in allen Sprachen für namhafte Unternehmen Werbe- und Imagefilme erstellt. Vor etwa acht Jahren kam dann bekanntlich das Aus für das Unternehmens. Sehr bestürzt war man über den Zustand des ehemaligen Kinax-Geländes. Lediglich das mit viel Filmmaterial dekorierte Foyer konnte für einen kleinen, Empfang genutzt werden. Die anderen Räume mußten wegen Baufälligkeit geschlossen bleiben. So hielt man, sich hier nur kurz auf, um dann eine gemeinsame Besichtigung der Schloßberganlage vorzunehmen und um den Dillenburger "Schloßgeist' kennen zulernen. Anschließend gab es ein gemütliches Zusammensein im "Kanzelstein' Eibach. Hier war das Staunen groß. Die Organisatoren hatten über 200 Fotos aus Alten Zeiten zusammengetragen und damit eine Galerie eingerichtet. Fast jeder konnte sich auf den Bildern vergangener Tage wieder finden. Nach dem Essen schwelgten die Ex-"Kinaxen' bis in die Morgenstunden in Erinnerungen und gar manche Anektode wurde zum besten gegeben.

Mobile Farbfilm-Entwicklung für den aktullen Einsatz.


Das Ende.



Aus der Dill-Zeitung.

 
Wolfgang Henrich  •  Taunusblick 3  •  61440 Oberursel